Unter dem Dach der Welt mal anders

 

* Startseite     * Archiv     * Gästebuch     * Kontakt



* Themen
     Neue Wege, neues Glueck
     Happy Birthday to...
     Phutung - mein Einsatzort
     Kathmandu
     Allgemein
     Bilder


Webnews







Hallo meine Lieben,

tut mir leid, dass ihr so lange auf einen neuen Bericht warten musstet, aber das mit den Computern ist teilweise garnicht so einfach. Zwar steht ueberall "DSL" "Super-DSL" dran, aber meistens sind sie dann doch eher langsam.

 Also..ich bin nun seit zwei Wochen in Phutung, an dem Ort in dem ich zum einen wohnen und zum anderen meinen Freiwilligendienst angetreten habe.                                                                         Phutung liegt ca. 10 km entfernt von Kathmandu und ist ein relativ kleines Oertchen. Das letzte Stueck Strasse befindet sich zur Zeit in Arbeit, was einen taeglichen Fussmarsch von ca. 25 min. bedeutet, wenn man in die Stadt moechte. Allerdings benoetigt man dann noch ein bischen Glueck den Micro-Bus zu erwischen. Erwischt man ihn nicht, bedeutet es dann noch einmal ca. 20 min. Fussnmarsch, bis man in dem Vorort von Kathmandu - "Beipas" - gelangt, von wo aus man dann noch mal ca. 15 min. mit dem Taxi benoetigt, um nach Thamel, der Innenstadt von Kathmandu zu kommen. Da es in Phutung selbst nicht wirklich viel gibt, versuche ich moeglochst oft nach Kathmandu zu fahren, um einfach mal andere Leute zu treffen als nur meine Gastfamilie (ich hasse den Weh schon jetzt. besonders wenn es regnet, was zur Zeit ja doch etwas oefter vorkommt)

Meine Gastfamilie...bestehend aus meinen "Gasteltern", ihren beiden Kindern (Shreya - das Maedchen, 6 Jahre alt und Shreyan - der Junge, 4 Jahre alt), sowie der Schwester des Gastvaters, ist recht nett, wenngleich ich mit einigen Dingen wie Hygien so meine Schwierigkeiten habe. Aber diesbezueglich, werde ich wohl noch einen Weg finden, wie ich hier meine Sichtweisen in die Familie bringe kann, ohne sie gleich erziehen zu wollen. Dies ist naemlich gar nicht so einfach, wenn man auf der einen Seite tolerant sein moechte, weil es einfach eine andere Kultur ist, auf der anderen Seite aber weiss, dass ein gewisser Grad an Hygiene einfach besser fuer die Gesundheit ist. Das Essen ist dennoch super lecker. Ich versuche ueber bestimmte echt "unapetitliche" Herstellungsweisen des Essens einfach hinwegzuschauen, dann schmeckt es auch. Nein wirklich...das Essen ist klasse. Allerdings sollte jedem klar sein der nach Nepal kommt...es gibt tatsaechlich morgens Reis mit Dhaal meist gegen 8 Uhr, mittags Reis mit Dhaal und am Abens Reis mit Dhaal. Gelegentlich gibt es noch Huhnchen oder Gemuese dazu. Dazwischen ernaehre ich mich von Keksen in allen moeglichen Formen, die auch den vielen Hunden zugute kommen.

Ja mein Tierherz wird hier ebenfalls befriedigt, wenngleich ich es schade finde, dass es kaum Katzen in Nepal gibt. Die werden scheinbar von der Mehrheit der Nepalesen nicht gemocht. Aber den Ausgleich finde ich bei den vielen Ziegen, Kuehen und Hunden, die man ueberall in meinem Dorf antreffen kann. Die Hunde bekommen von mir Kekse und die Ziegen - besonders die Kleinen - bekommen moeglichst oft Streicheleinheiten von mir. Ist natuerlich klar, dass die Leute dies eher merkwuerdig finden. Sind fuer sie ja doch eher Nutztiere. Aber es ist einfach su suess, wenn sie Ziegen an meinem Finger nuckeln. Ach ja, es kommt auch schon mal vor, dass eine, oder auch zwei Ziegen im Klassenzimmer vorbeischauen. Letztens hat mich auch ne Kuh von draussen her angestarrt.

Womit ich auch bei meiner Schule waere. Diese befindet sich ungefaehr 30 Schritte von meinem Gasthaus entfernt, was ich dann doch sehr komfortabel finde. Die Schule kann man sich tatsaechlich so vorstellen, wie es vielleicht die meisten tun, wenn sie an sehr arme Laender denken. Fenster gibt es schon mal gar nicht und teilweise auch keine Tueren. Frage mich, wie die armen Kinder das im Winter aushalten. Aber auch jetzt ist es dementsprechend zugig und bei Regen, weht der Wind diesen auch schon mal ins Klassenzimmer.

Ach ja...ich gebe Englischunterricht in den Klassen 5 bis 8. Obwohl ich arge Bedenken hatte, klappt es von meiner Seite aus ganz gut. Umgekehrt eher weniger, wobei es auf die Klassenstufe ankommt. Ein weit aus groesseres Problem sind die Grundbedingungen. Viele haben keine seperaten Englischhefte, teilweise nicht einmal Lehrbuecher. Dann machen eigentlich nur 30% ihre Hausaufgaben. Was nich schlimmer ist, dass sich scheinbar keiner darum kuemmert. Die Hausaufgaben werden ueberflogen und dann wird ein Haekchen darunter gemacht. Mir ist jedoch aufgefallen, dass die Hausaufgaben nur so vor Fehlern wimmeln. Wie bitte sollen die Kinder da was lernen? Ausserdem muessen sie eigentlich nur abschreiben. Vertstehen tun sie jedoch nicht einmal die Haelfte davon. Ein weiteres Problem ist das Thema "Zuechtigung in der Schule". Im Gegensatz zu den Familien, in denen es ueberhaupt keine Grenzen fuer die Kinder gibt - also sozusagen total "antiautoritaer" - wird in der Schule derart grob mit jeglichen Strafen umgegangen, dass ich den einen Tag echt damit zu kaempfen hatte, nicht heulend aus dem Klassenzimmer zu laufen. Haare ziehen, Ohren ziehen, mit der Faust auf den Kopf, oder aber - bei den Groesseren - auf den Ruecken hauen, sind hier ueblich. Mit dem einen Leherer habe ich gesprochen. Als ich jedoch zuffaelig am Klassenzimmer vorbei kam, sah ich jedoch wie er es wieder tat. Ich weiss nicht so recht, wie ich hier vorgehen soll. Ich bin mir 100%ig sicher, dass selbst wenn ich es schaffe waehrend meines Aufenthaltes diese Methode abzuschaffen, danach weiter gemacht wird wie vorher. Letztlich scheinen es ja auch die anderen Voluntaere nicht geschafft zu haben.

Diesbezueglich bin ich auch gerade nicht sicher, was meine Arbeit hier bringen soll. Fehlende Ansprechpartner, sowie meines Erachtens fehldende Berichte von den anderen Voluntaeren, machen die Arbeit zu einer Farce. Denn wenn jeder Freiwillige jedesmal von vorne anfaengt, dann ist der Sinn der Arbeit verfehlt (man beachte, dass ich die 8 Freiwillige an dieser Schule bin).

Ich werde sehen, was die Zeit mit sich bringt. Ich weiss jedoch auch, dass ich nicht hier bin, um die reiche Deutsche zu spielen, die den Kindern nur ein paar schoene Momente bieten kann. Ich finde es nicht fair, ihnen zu zeigen wie es auch anders als mit Zuechtigung und Langerweile geht, um sie dann ihren Alltag zu ueberlassen, wenn ich weg bin.

Ich werde versuchen euch stets auf dem Laufenden zu halten.

Liebeste Gruesse aus Nepal von

Andrea (oder mein Nepaliname: Shanti - Frieden oder Loxmi = eine der vielen Goetter, die fuer Geld steht)

3.8.07 12:40


Lieber Deda,

dies ist heute einzig alleine fuer Dich, denn ich wuensche Dir alles, alles Liebe zu Deinem heutigen Geburtstag.

Aber auch Zufriedenheit und vor allem Gesundheit, sollen Dich auch noch die naechsten Jahre begleiten.

Ich denke an Dich - und Du denk daran, dass ich bald wieder bei Dir, bzw. bei Euch bin.

 Ich hab Dich lieb. Fuehl Dich ganz doll gedrueckt

 Deine Enkelin Andrea

6.8.07 06:33


Hallo an alle!

Dieser Eintrag ist an all jene gerichtet, die noch keine Mail von mir bekommen haben, oder aber einfach noch mal Details erfahren wollen, die ich vielleicht vergessen habe.

Seit meinem letzten Eintrag ist nun doch einiges passiert und ich werde versuchen Euch alles zusammenzufassen und vor allem nicht zu langweilig zu schreiben.

Also ersteinmal...ich habe meinen Freiwilligendienst abgebrochen und bin nun auf der Suche nach einem neue Projekt, dass ich nun alleine aufbauen werde.

Da ich mich nun nicht mehr in Kathmandu aufhalte, sondern es endlich geschafft habe aus dieser chaotischen und dreckigen Stadt abzuhauen und nun in Pokhara bin, habe ich endlich Zeit und Ruhe, mich dieser neuen Aufgabe zu stellen. Der Hauptgrund meines Verlassens bestand in der miserablen Projektarbeit der nepalesischen Organisation. Es kuemmert sich eigentlich niemand darum, wie die verschiedenen Projekte laufen. Und wenn man Ideen hat, werden sie erst erfreut angenommen und dann passiert aber auch nichts weiter. So wie es naemlich aussieht, bringen die Freiwilligendienste hier kaum etwas, da es nichts wie Bestandaufnahmen von den Projekte, oder mal Feedbacks von den Voluntaeren gibt. Frage mich wozu Projekte hier ueberhaupt gemacht werden. Aber gut...da will ich mich nun nicht weiter darueber auslassen, da letztlih jeder fuer sich entscheiden muss, ob er solche Dienste machen moechte und wie er sie findet. Fuer mich ist es eine moralische und persoenliche Entscheidung und widme mich daher lieber neuen Dingen. Bisher war ich tatkraeftig dabei, mich im Besonderen uber das Schulsystem zu informieren, bzzw. moeglichst viele Informationen uber das Land im Allgemeinen zu sammeln.

So kommt es zum Beispiel, dass ich mich natuerlich mehr und mehr fuer den Buddhismus interessiere und aufgrund netter Bekanntschaften mich dem Problem der Exiltibeter widme. Insbesondere aufgrund einiger Tibeter die ich kennengelernt habe, habe ich nicht nur die Moeglichkeit die Kultur kennenzulernen, sondern auch evtl. in einem buddhistischen Kloster einer der vielen Fluechtlingslager zu leben, die kleinen Moenche in Englisch zu unterrichten und gleichzeitig Unterricht im Buddhismus, Meditation etc. zu erhalten. Gleichzeitig - kommt auf den tagesablauf an - werde ich versuchen eine Art Frauenprojekt aufzubauen, da es im Besonderen die tibetischen Frauen schwer zu haben scheinen. Man sieht sie taeglich auf der Strasse, wo sie vergeblich versuchen einige Dinge zu verkaufen. Zwar muesssen sie keine Miete fuer ihre Unterkunft im Lager bezahlen, aber dennoch geht es hier um's Ueberleben.

Auch bezueglich der Beziehung zwischen den Nepalesen und den Tibetern muss man leider sagen, dass die Tibeter es anscheinend eher schwer haben. Als ich die eine Frau zu mir an den Tisch bat, sagte diese, dass sie keinen Zutritt habe. Nun...keinen Zutritt ist vielleicht etwas uebertrieben, aber zumindestens sind sie nicht gerade erwuenscht. Aber gut. Ist wohl aehnlich wie bei uns in Deutschland. Da sind die Fluechtlinge ja teilweise auch nicht gerade gerne gesehen.

Ansonsten hatte ich das Glueck - noch in Kathmandu - einen Lahma zu treffen und einige Moenche kennenzu lernen, was mich der buddhistischen Lehre ein Stueckchen naeher gebracht hat. Ihr seht schon...der Buddhismus hat mich voll im Griff und wenn nich ehrlich sein soll, ziehe ich einige Wochen in einem Kloster  dem trekken fast vor. Aber auch nur fast.

Das Problem das naemlich leider bleibt, ist das alleine reisen als Frau.

In Kathmandu machte sich dies im Wesentlichen durch die echt krassen und laestigen Annaeherungsversuche der Maenner bemerkbar, denen man alles moegliche sagen konnte. Keine Chance. Das ich einen Freund habe, interessierte sie ueberhaupt nicht, denn er ist ja in Deutschland. Wo ist da das Problem. Die raffen das echt nicht. Und wenn man dann mal etwas rigoroser gesagt hat, dass man doch bitte in Ruhe gelassen werden moechte, war man immer gleich unfreundlich. Ein moegliches Tattoo waere uebrigens fuer mich der Schriftzug: 'Free your mind". Diesen Satz habe ich in den letzten sechs Wochen ungefaehr drei mal am Tag gehoert, wenn ich mich den Annaeherungsversuchen wiedersetzt habe, oder ich einfach nur meine Ruhe haben wollte. Echt schrecklich. Somit war es wie gesagt auch unmoeglich, mal einfach an einem schoenen Ort zu relaxen, da man innerhalb kuerzester Zeit voll gequatscht wurde.

Hier in Pokhara ist das ganz anders. Man wird hier eigentlich im Grossen und Ganzen in Ruhe gelassen. Dafuer habe ich nun das Problem, fast keine Touren machen zu koennen, eben weil ich alleine unterwegs bin. Dies gilt nicht nur fuer ne Trekking Tour, wo mir eigentlich alle sagen, dass ich auf keinen Fall mit dem Guide alleine trekken gehen soll. Super...mit wem also dann? Selbst kleine Touren muss ich teilweise abbrechen, da ich mich ploetzlich vor einem Wald befinde, von dem mir ebenfalls abgeraten wird ihn alleine zu begehen, da es immer wieder Ueberfaelle auf Touristen gibt. Dabei gibt es bereits bei keinen Touren super viele schoen dinge zu sehen und zu entdecken.

Dennoch...Pokhara ist wunderschoen und man kann tatsaechlich etwas abschalten.

Ich hoffe sehr, dass sich in den naechsten Tagen was bezueglich meines Aufenthaltes in der Monastery ergibt und ich noch etwas nuetzliches hier tun kann, aber gleichzeitig viel von dem Land mitnehmen kann.

Natuerlich gab es noch einiges mehr, aber ich denke dies reicht zunaeachst mal wieder.

Ach ja...mir geht es natuerlich gut.. Keine Krankheiten, keine Probleme. Was will ich mehr

Ich denke an Euch

eure andrea

29.8.07 15:28





Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung